Sta. Margalida / Mallorca News

Tourismus stößt an seine Grenzen
Der Wirtschaftswissenschaftler Miquel Alenya warnte gestern davor, dass der Zuwachs im Tourismus dieses Jahr die Möglichkeiten der Balearen übersteigen könnte. Alenya erwartet aufgrund der Zahlen der vergangenen Jahre eine halbe Million mehr Urlauber. Die Hochsaison werde sich verlängern und die Versorgung der Insel mit Energie und Wasser sei ernsthaft in Gefahr. Um das Angebot im Tourismussektor zu verbessern seien Investitionen von 15000 Millionen Pesetas erforderlich so Alenya. (Inselradio)
Wasserknappheit: Medien-Alarm macht Reiseveranstalter nervös
Krisenplan der Regierung hängt in der Luft / BBC schickt Reporterteam Deutsche Sensationsmedien haben Mallorca wiederentdeckt. Die Bild-Zeitung berichtete Mitte April über katastrophale Zustände bei der Wasserversorgung an der Playa de Palma im kommenden Sommer. Der englische Fernsehsender BBC will sogar ein zehnköpfiges Reporterteam auf die Insel schicken, um vor Ort über die Situation zu berichten. Einige britische Reiseveranstalter empfehlen ihren Kunden bereits, die Balearen in diesem Sommer zu meiden. Währenddessen versucht die Landesregierung einen Krisenplan zu erarbeiten, um einheimische und ausländische Gemüter zu beruhigen. Palma Kurier - Die Landesregierung hofft für die kommenden Monate, jedem Einwohner der Gemeinden von Palma und Calviá zwischen 300 und 330 Liter Wasser pro Tag liefern zu können. Nach Einschätzung des Umweltministeriums belaufen sich die zur Verfügung stehenden Wasserkapazitäten auf insgesamt 161.000 Kubikmeter täglich. Voraussetzung dafür ist jedoch das einwandfreie Funktionieren aller eingesetzten Klär- und Entsalzungsanlagen sowie die Erwartung auf Niederschläge in den kommenden Wochen. Nach Schätzungen der Behörden müssen in Palma und Calviá während der Monate Juni bis einschließlich September 540.000 Menschen im Monat mit Wasser versorgt werden. Diese Zahl ergibt sich aus den in beiden Gemeinden eingeschriebenen Einwohnern plus der zu erwartenden Urlauberzahl. In Palma und Calviá sind insgesamt 360.000 Einwohner registriert. Dazu werden in der Hauptsaison noch einmal weitere 180.000 Urlauber erwartet, die in den Bettenburgen an der Playa de Palma, Cala Major, in Magaluf und Palmanova gebucht haben. "Eine Milchmädchenrechnung", meint ein Arbeiter der städtischen Wasserwerke Emaya. "Nicht dabei berücksichtigt wurden nämlich die vielen Residenten, die erst gar nicht in einem Einwohnerverzeichnis auftauchen." Außerdem, so der Arbeiter weiter, würden viele Urlauber bei Familienangehörigen auf der Insel unterkommen. Dazu kommen noch Tausende von Yachtbesitzern, die während der Sommermonate die zahlreichen Sporthäfen von Palma und Calviá anlaufen, sowie die ständig zunehmende Zahl von Kreuzfahrturlaubern. Antonio Rodríguez Pereo, Leiter des Amtes für Wasserversorgung im Landes-Umweltministerium, ist sich dennoch sicher, daß "die zur Verfügung stehende Menge an Trink-und Brauchwasser im Großraum Palma vollkommen ausreicht". Perea rechnet mit maximal 178.000 Kubikmetern Wasser, die in den Risikogebieten von Palma und Calviá täglich benötigt werden, 17.000 Kubikmeter mehr, als derzeit von Emaya zur Verfügung gestellt werden kann. Durch die Erweiterung der Meeresentsalzungsanlage sollen deshalb weitere 7.000 Kubikmeter ins Wassernetz eingespeist werden. Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei der Zentralregierung in Madrid, die zwar über ihre Delegierte in Palma, Catalina Cirer, ein provisorisches Einverständnis gab. Mit der endgültigen Genehmigung ist aber erst Anfang Juni zu rechnen, wenn die neue Regierung ihre Geschäfte aufgenommen hat. Weitere 6.000 Kubikmeter Wasser erwartet Perea von der Optimierung der Kläranlage bei Son Tugores. Das Prinzip Hoffnung gilt auch für eine ähnliche Anlage in Lloseta, die in den nächsten Monaten die restlichen 4.000 Kubikmeter Brauchwasser täglich liefern soll. Nach Einschätzung von Walter Schmidt, Experte für Wasservorkommen auf den Balearen, ist die sinnlose Verschwendung von existierenden Vorräten Schuld an der derzeit kritischen Situation. "Seitdem die Mallorquiner angefangen haben, wie verrückt Tiefbrunnen zu bohren, wird Wasser ohne Ende verschwendet." Seiner Ansicht nach ist der von der Regierung veranschlagte Verbrauch von 330 Litern Wasser pro Kopf und Tag viel zu hoch. In Barcelona oder Madrid, wo mit dem zur Verfügung stehenden Wasser noch Industrieanlagen und eine fast zehnmal so große Bevölkerung versorgt wird, beläuft sich der Verbrauch auf nur 200 Liter. Während Einheimische und Residenten weiter uneins sind, ob nun die zur Verfügung stehenden Wasservorräte für den kommenden Sommer ausreichen, beginnen bereits zahlreiche deutsche und ausländische Reiseveranstalter an der von der Landesregierung zugesicherten Wasserversorgung zu zweifeln. Auch deutsche Medien haben das schlagzeilenträchtige Thema Wasserknappheit auf den Balearen bereits entdeckt und weidlich ausgeschlachtet. Bild warnte Mitte April auf einer Titelseite, daß deutsche Urlauber in diesem Sommer "nur noch nach Stundenplan" in den Hotels duschen dürften. Der einheimische Hotel- und Touristikverband reagierte auf "die geschäftsschädigenden Meldungen" sauer. Die Landesregierung schickte daraufhin Entwarnungsbotschaften an alle großen Reiseveranstalter. (Palma Kurier)
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